20 Jahre Europagymnasium in Thale
  • 26.02.2020 - Jannis KaragezovNach Paris - aber nicht der Liebe wegen

    18 Schüler und Schülerinnen des Europagymnasiums Richard von Weizsäcker Thale fahren vom
    26. Februar bis 1. März diesen Jahres nach Paris, aber nicht, um die Champs-Élysées oder den
    Eiffelturm zu besichtigen, sondern Geschichte einmal anders zu erleben.
    Sie werden einen der wenigen letzten noch lebenden Zeitzeugen eines der dunkelsten Kapitel der
    jüngeren Geschichte treffen. Monsieur Bernard Nusbaum war gerade mal vier Jahre alt, als er mit
    seiner Mutter Ida am 16./17.Juli 1942 bei einer Massenfestnahme jüdischer Bevölkerung durch
    die französische Polizei ins Vélodrome d’Hiver verschleppt und dort festgehalten wurde. Damals
    pferchte man 13.152 Juden, darunter über 4000 Kinder, in einer Radrennbahn unter
    unmenschlichen Bedingungen zusammen, bevor diese wenige Tage später nach Auschwitz
    deportiert wurden. Wie durch ein Wunder konnten Ida und Bernard Nusbaum fliehen.
    Die Französischkurse unseres Europagymnasiums haben sich in den letzten Wochen intensiv mit
    dieser geschichtlichen Epoche beschäftigt. Dabei sind verschiedene Projekte entstanden: ein
    Theaterstück wurde inszeniert, eine Ausstellung gestaltet und ein Lied und Instrumentalstücke
    einstudiert, die im Gymnasium des Pariser Vorortes Yerres bei den Gesprächsrunden mit Bernard
    Nusbaum und den französischen Schülern das Rahmenprogramm stellen. Wir Schüler werden
    Monsieur Nusbaum treffen und das jüdische Viertel von Paris kennenlernen und so Schauplätze
    der Geschichte und einen Zeitzeugen erleben. 75 Jahre nach Beendigung des Zweiten
    Weltkrieges darf dieser Teil der Geschichte keinesfalls in Vergessenheit geraten!
    Für die mitreisenden Schüler wird dieser etwas andere Besuch in Paris mit Sicherheit ein
    bleibendes Erlebnis. Die Ausstellung und die Arbeitsergebnisse mit den französischen
    Jugendlichen sollen voraussichtlich Anfang Juni auch in Thale gezeigt werden. Alle Beteiligten
    sind gespannt und dankbar, dass unser Gymnasium diese Reise ermöglicht und regelmäßig
    Europaprojekte unterstützt.